Alle zwei Jahre trifft sich die Großfamilie (also die Mitglieder meiner Familie, die Lust dazu haben) zu einem Familientag. Zuletzt immer wieder in einem Hotel in Hessen, das zwar nicht alle mögen, aber das für… Mehr
Solidarisches Stricken
„Stricken als solidarische Praxis“ ist das Thema der Masterarbeit einer Studentin, die mich vergangene Woche angeschrieben hat. Sie hat mich online gefunden und gefragt, ob ich für ein kurzes Interview zur Verfügung stünde.
So ein unglaublich spannendes Thema – sofort habe ich zugesagt! Und doch hat mein Kopf bis gestern gebraucht, um zu erkennen, wie selbstverständlich ich genau das schon viele Jahre mache: solidarisches Stricken.
So habe ich 2014 mit vielen anderen Frauen im Rahmen eines Kunstprojektes „Wasser“ für einen Neuköllner Brunnen gestrickt. Ich glaube, das war der Anfang – das erste „große Ding“. Damals haben wir auf Initiative der Künstlerin Amy Klement ein großes „Meer“ aus blauen und grünen Wollquadraten gestrickt und gehäkelt. Darauf bzw. darin waren dann gehäkelte Meerestiere – also Krabben, Schwäne, eine Krake – und Seerosen. Der Brunnen, der damals schon rund 15 Jahre außer Betrieb war, sollte dadurch gewissermaßen wieder als Wasserlandschaft erfahrbar werden. Zumindest lokal hatten wir damals viel Aufmerksamkeit. 2019, nach fast 20 Jahren Stillstand, wurde er dann endlich saniert und wieder in Betrieb genommen. Heute ist er also tatsächlich wieder ein Wasserbrunnen.
Im gleichen Jahr habe ich erneut Mützen für die Innocent-Mützenaktion gestrickt. Zum zweiten Mal. Zählt das als solidarisch? Irgendwie schon. Kleine gestrickte Mützen wurden (und werden bis heute) auf Smoothie-Flaschen gesetzt; pro verkaufter „bemützter“ Flasche gingen 20 Cent an das Deutsche Rote Kreuz für die Arbeit mit bedürftigen Senior:innen. Habt Ihr auch alle gemacht, oder?
Im Sommer 2015 habe ich angefangen im Rahmen von KunstAsyl wöchentliche Strickkurse in einer Gemeinschaftsunterkunft für Asylsuchende in Berlin-Spandau zu geben. Das zentrale Anliegen von KunstAsyl war es, die Unterkunft nicht einfach als „Heim für Flüchtlinge“, sondern als sozialen und gestaltbaren Lebensraum zu verstehen. Kunst war solidarisch. Sie sollte dabei helfen, die Bewohner:innen sichtbar zu machen, Kontakte zwischen Bewohner:innen und Berliner:innen herzustellen, und den Bewohner:innen zu ermöglichen, selbst über ihre Darstellung und ihren Lebensraum mitzuentscheiden. Mein Strickkurs war nur ein Angebot von Vielen. Zweimal habe ich damals darüber gebloggt: hier und hier.
Später im gleichen Jahr habe ich an der Charity-Aktion Masche für Masche Gutes tun unter der Schirmherrschaft von Sarah Wiener teilgenommen. Solidarisch wurden gestrickte und gehäkelte Dinge gesammelt und verkauft; der Verkaufserlös gingen an zwei Projekte von Terre des Hommes: die Flüchtlingshilfe und das Sumangali-Projekt in Indien. Mit letzterem sollte Mädchen geholfen werden, die unter miesen Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie ausgebeutet wurden. Belastbare Zahlen zu verkauften Artikeln bzw. Einnahmen finde ich heute leider nicht mehr. Es ist zu lange her.
Auch lange hier sind die Pussy Hats. Ende 2016 haben wir die (gefühlt) alle gestrickt: Pinke Mützen mit Katzenohren, die zu einem solidarischen Symbol für Frauenrechtsproteste wurden (und immer noch sind). Wer’s nicht erinnert: die Katzenohren spielten auf „pussy“ an (als Antwort auf das widerliche „grab ’em by the pussy“ von youknowwho) und symbolisierten den Protest gegen Sexismus und Misogynie. Bilder vom Women’s March im Januar 2017 – a sea of pink – gingen um die Welt.
Als am Valentinstag 2018 an der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland, Florida 17 Menschen erschossen wurde – 14 von ihnen waren jünger als 18 Jahre alt – riefen Schüler und Schülerinnen der 12. Klasse der High School in Folge zum March for our Lives auf, einem Protest gegen Waffengewalt, der dann am 24. März 2018 in Washington stattfand.
„Kommt mit erhobenen Händen raus“ lernen Kinder in Amerika bei Übungen für den Ernstfall, sogenannten active-shooter drills, während Polizisten mit Platzpatronen auf „Täter“ schießen. An Schulen! Gruselig! Die erhobenen Hände griff die Künstlerin Krista Suh auf und entwarf Pulswärmer mit aufgestickten Augen. Augen, die den Kongress beobachten, die das Böse abwenden. Natürlich habe ich Pulswärmer gestrickt und verschickt.
…
An diesem Blogpost sitze ich jetzt schon unfassbar lange. Länger als sonst. So viel geht mir durch den Kopf. Ich dachte, ich liste schnell mal alles, was mir zu solidarischem Stricken einfällt und bin jetzt doch erst in 2018 angekommen. So viele andere Projekte sollten folgen: immer wieder grüne Socken für die Aktion Grüne Socke (auch das solidarisch: Stricken als Fürsorge) und winzige Mützen für die Neugeborenenstation eines Krankenhauses. Rote Mützen für Minnesota und nochmal ein Schwung Pussy Hats nach den letzten Wahlen in den USA. Irgendwas ist immer …
Heute stricke ich bunte kleine Beutel für die Frauennothilfe Göttingen. Wollreste sind perfekt dafür! Die kleinen Notfall-Taschen (mindestens 10×15 cm) werden dann mit sogenannten Skill-Materialien (das können Gummibänder sein, saure Bonbons, kleine Kühlpacks, Duftöle oder Vergleichbares) gefüllt, die Frauen, Kindern und Jugendlichen in schwierigen Momenten helfen, wieder zu sich zu kommen – durch Fühlen, Riechen oder Schmecken.
Stricken als Protest. Als Solidarität. Als Gemeinschaft. Als konkrete Unterstützung. Mir war nicht klar, wie sehr mein Herz daran hängt.
Verlinkt zum Samstagsplausch bei Andrea, der es heute gar nicht so gut geht …
Tabaktasche
Ich bin Nichtraucherin und – ich sage es nicht gerne – eine von den Unangenehmen. Da mache ich auch kein Hehl draus. Zigarettenrauch in meine Richtung gepustet, der Geruch von kaltem Qualm in Klamotten oder schmutzige Aschenbecher stören mich. Sehr! Und das sage ich dann auch. Nicht nur, weil es stinkt.
Rauchen schadet nahezu jedem Organ, erhöht das Risiko für Krebs sowie Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen und verkürzt im Zweifelsfall die Lebenserwartung deutlich. Nikotin macht abhängig, rauchen ist teuer und Passivrauch schadet obendrein auch anderen Menschen.
Wissen wir alle und doch …
Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts haben 2025 immer noch 28,8% (aller Erwachsenen geraucht. 24% der Frauen, 33,9% der Männer. Knapp ein Drittel der Bevölkerung – das ist doch verrückt!
Warum ich das schreibe? Weil ich vergangene Woche gebeten wurde, ob ich nicht eine Tabaktasche stricken könnte. Ausgerechnet ich …
Spontan habe ich abgelehnt. Aber wie das so ist mit ungewöhnlichen Strickprojekten, hat es dann doch in mir gearbeitet: wie sehen Tabaktaschen überhaupt aus? Wie könnte ich sowas stricken? Was wäre sinnvoll? Finde ich irgendwo Maße?
Aber auch: Was würde sich ändern, wenn ich den Wunsch ablehne? Wahrscheinlich nichts. Sie würde weiterrauchen, auch ohne die gewünschte Tabaktasche. Was ich davon halte, weiß sie sowieso. Gesagt habe ich es trotzdem nochmal. Bevor ich dann doch in die Kiste mit den Sockenwollresten geguckt habe …
Das erste Modell wurde viel zu klein. Statt zu ribbeln habe ich es dann quadratisch gestrickt und überlege, oben einen Reissverschluß einzunähen. Eine kleine Tasche für was auch immer.
Die zweite Version habe ich auf Basis der ersten berechnet und doch ist es wieder passiert. 16 cm breit sollte sie werden, hätte sie auch werden müssen. Ist sie aber nicht. Es sind nur 14 cm. Erklären kann ich das nicht. Beide Tabaktaschen-Varianten sind in Sockenwolle und mit dem gleichen Muster gestrickt. Offenbar soll es nicht sein.
Trotzdem werde ich die zweite Variante jetzt fertig machen. Es fehlt nur noch ein Stück vom Umschlag. Daran kommt dann ein langes Band. Vielleicht mit einer Holzperle am Ende. Mal sehen, was ich finde.
Vielleicht wird auch dieser kleinen Tasche dann am Ende eine ganz andere Aufgabe zugewiesen. Sie wird dann nicht Tabaktasche, sondern nimmt Kleinkram auf oder schützt ein kleines Notizbuch. Wünschen kann ich mir das ja …
Verlinkt zum Samstagsplausch
Geschenkte Zeit
Geschenkte Zeit – daran denke ich so oft diesen Sommer. Es ist immer noch lange hell, die Abende sind lau und es fühlt sich an, als hätte jeder Tag mehr als 24 Stunden. Und jede dieser Stunden ist voll, weil neben Job und Haus noch so viel mehr Zeit ist. Verrückt, wie sehr das für mich an Tageslicht gekoppelt ist.
Jeder Wintertag ist genauso lang wie ein Sommertag. Ich stehe zur gleichen Zeit auf und gehe zur gleichen Zeit ins Bett. Und doch ist es anders.
Vergangene Woche habe ich drei Paar Socken gestrickt. Geplant war eigentlich nur eins in 6-fädiger Sockenwolle für eine Amerikanerin, die im November (ausgerechnet im November) nach Berlin kommen wird. Ob sie weiß, wie unfreundlich dieser Monat sein kann? Ich möchte ihr deshalb Socken in die Wohnung legen.
Für das erste Paar – Koffieboontje heißt die Anleitung – habe ich 80gr. verstrickt. Und weil das Knäuel hier noch lag, habe ich die restlichen 70gr. für ein zweites Paar mit grün „gestreckt“: Bündchen, Ferse und Spitze in grün. Außerdem grüne Ringel. Logisch eigentlich, dass dann immer noch lila Garn übrig blieb …
Also ein drittes Paar. Vielleicht mit lila Ferse. Oder mit lila Spitze. Am Ende wurde es nur grün, weil ich zu bequem war zu entscheiden. Auch gut. Ich habe keine Ahnung, wieso das so schnell drei Paare wurden. Da muss geschenkte Zeit im Spiel gewesen sein. Ein paar dieser Stunden, die nur der Sommer hat.
Geschenkte Zeit sind auch die Tage mit dem Sohn. Immer noch wünsche ich ihm eine Wohnung in der Stadt und jetzt, wo das tatsächlich klappen könnte, merke ich, wie sehr ich es genieße, ihn immer noch um mich zu haben. Er macht sein Ding, ich mache meins. Ab und an machen wir auch was zusammen. Ich liebe es, wenn er mich im Büro anruft und fragt, ob wir zusammen essen. Er würde dann kochen. Ein echtes Geschenk – nicht nur geschenkte Zeit. Zu sehen, wie er hier Wochenende für Wochenende mit anpackt, Fenster abschleift, spachtelt und den Kitt erneuert, macht mich stolz.
Geschenkte Zeit dachte ich auch gestern, als ich der Freundin beim Packen der Kisten geholfen habe. Als wir in ihrem Zimmer saßen, das mal Wohnzimmer war und Pizza aus Pappkartons gegessen haben. Mag sein, dass es schlauer gewesen wäre, weiter zu packen. Vielleicht aber auch nicht. So war auch das ein Geschenk. Ein vorläufig letzter Abend nach so vielen in den vergangenen Jahren. Montag kommt der Umzugswagen und sie verläßt die Hauptstadt. Ihr Job bleibt hier, sie wird also immer wieder herkommen. Sie hat viele gute Gründe zu gehen und doch … Wehmut ist da schon auch.
Geschenkte Zeit ist es auch, wenn ich mich gleich auf die Veranda setze und Melone esse. Was immer Ihr macht, ich hoffe, es fühlt sich auch nach einem Geschenk an.
Verlinkt zum Samstagsplausch
Berliner Flohmärkte
Vor nicht allzu langer Zeit waren Flohmärkte mein Allerschönstes. Jedes Wochenende führte uns der Sonntagsspaziergang dorthin und nie kamen wir mit leeren Händen nach Hause. Ob Vasen von KPM, Porzellan von Melitta, Lucky Luke- oder Asterix-Hefte – irgendetwas fanden wir immer.
Dann halfen wir der Schwiegermutter vom Haus in eine Wohnung zu ziehen, um wenige Jahre später eben diese Wohnung aufzulösen. Anfänglich waren wir sorgsam, Alles sollte ein neues Zuhause bekommen. Und so gingen die riesigen Monstera Pflanzen an die Töchter eines Freundes, ein Teil des Porzellans ist jetzt in Freiburg, die andere Hälfte in Berlin bei einer Nachbarin. Ein anderes Design begeisterte die Tochter von Freunden in München. Der Schreibtisch des Schwiegervaters kam zu uns. Auch die vielen, kugeligen Weck-Gläser sind seither hier. Aus der Wolle in ihrer Schublade habe ich einen Pullover gestrickt. Die Hülle der Wärmflasche mit Blumen verziert, damit man die Mottenlöcher nicht mehr sieht.
Aber egal, wie viel wir verteilten – noch viel mehr blieb übrig. Kleidung, Möbel, Tisch- und Bettwäsche. Zwei Umzugskisten mit Fotos. Wochenende um Wochenende fuhren wir nach Münster, räumten und packten den Caddy voll, bis das irgendwann nicht mehr ging. Der Mietvertrag war gekündigt, niemand zeigte mehr Interesse an dem, was da noch war und kräftemäßig kamen wir an Grenzen. Wer jemals eine Wohnung aufgelöst hat, weiß, was ich meine. Sieht man sich anfangs jedes noch so kleine Ding an, geht es irgendwann nur noch um Effizienz. Behalten ja / nein.
Was am Ende noch übrig war, haben wir entsorgt. Steinguttöpfe, Blumenvasen, unendlich viele Bücher, Seidentücher. Es hätte ein prachtvoller Stand am Flohmarkt werden können. Wurde es aber nicht. Ich denke da nicht gerne dran zurück.
Seither gehen wir zwar immer noch regelmäßig auf Flohmärkte und sehen schöne Dinge, aber dann denke ich eigentlich immer „gab’s im Nachlaß der Schiegermutter, hast Du damals nicht genommen, brauchst Du heute auch nicht“ oder „irgendwann muss irgendjemand Deine Wohnung ausräumen, stell’s zurück“ …
Das Schild im Bild habe ich nicht gekauft. Dabei hätte ich es zu gerne in unser Treppenhaus gehängt (Menschen mit erwachsenen Kindern, die noch/wieder zu Hause wohnen, teilen vielleicht diesen Humor).
Für mich hat Berlin unverändert die allertollsten Flohmärkte. Am schönsten ist wohl der an der Trabrennbahn in Karlshorst. An jedem ersten Wochenende im Monat sind wir verläßlich dort. Weit auseinander liegende Stände, unglaubliche nette Händler*innen, faire Preise, lange Wege. Sandiger Boden, Blick auf die Pferde. Jedes Mal wieder sprechen wir mit den interessantesten Menschen, trinken Kaffee an einem der kleinen Wagen und – ja – gehen dann gelegentlich doch nicht mit leeren Händen nach Hause.
Kleine Dinge finden immer noch ihren Weg zu mir. (Betonung auf „kleine“ … manchmal passiert dann aber auch sowas wie der Hahn …)
Zuletzt habe ich in einer Bananenkiste eine Gürtelschnalle aus Messing entdeckt. Verhandeln und kaufen war eine Sache von Minuten. 10 Euro. ZEHN! Zu Hause hat der Mann den prachtvollen Schmetterling von dem (wirklich schäbigen) Gürtel abgetrennt, an den er angenäht war und ich habe ihn poliert. Ich hätte vorher-nachher Bilder machen sollen. Ist er nicht toll?!
Die Breite des Stegs auf der Rückseite passt zu meinen Gürteln; der Dorn ist dicker als bei modernen Schnallen, aber mit bißchen Druck geht auch das. Jetzt trage ich ihn und freue mich jeden Tag darüber.
Aber zurück zu den Flohmärkten. Immer wieder gerne gehen wir auch zum Flohmarkt am Schöneberger Rathaus. Alles enger und voller dort, aber auch dort interessante Menschen, bunte Stände und Vieles, das nach Dachboden (oder Wohnungsauflösung …) aussieht.
Der Sohn geht leider nicht so gerne auf Flohmärkte. Aber wenn, dann mit Freunden zum Mauerpark oder nach Friedrichshain: auf das RAW-Gelände oder an den Boxhagener Platz. Jüngeres Publikum, primär Klamotten, überall Musik. Dafür bin ich mittlerweile einen Hauch zu alt … Es ist mir zu voll und zu laut.
Die Weite der Rennbahn ist mir deutlich lieber. Die schönsten Schätze habe ich immer dort gefunden. Sowas wie den Schmetterling. Ein Lieblingsstück, das nun ein neues Leben bekommt. Gleichzeitig habe ich Ressourcen gespart und der Kreislauf in Bewegung gehalten – mag ich auch! Konsum, aber anders.
Bei mir muss nicht immer alles neu sein. Im Gegenteil! Wie siehst Du das?
Verlinkt zum Samstagsplausch
Ein Capybara
Ein Capybara – hättest Du gewußt, was das ist? Ich nicht und auch die Übersetzung zu ‚Wasserschwein‘ hat mir nicht wirklich geholfen. Dank Wikipedia weiß ich nun, dass es eine Säugetierart aus der Familie der Meerschweinchen ist. Wenn auch größer. Deutlich größer! Mindestens 100cm und über 75kg schwer. Capybaras leben am liebsten im Wasser, sind irgendwie plump und ziehen sich nachts ins Dickicht zurück, um dort zu schlafen.
Nichts davon wußte ich, als das Capybara von Luba Andrushchenko in meinen Instagram Feed gespült wurde. Es war mir auch egal. Ich habe nur gesehen, wie niedlich dieses kleine Tier ist und mir sofort die Anleitung gekauft. Wirklich sofort.
Und das passiert mir selten.
Gestrickt wird von unten nach oben, also die Füße zuerst. Die Arme sind sehr clever eingestrickt; die dunkle Nase ist ebenso aufgestickt wie Mund und Augen. Der Kontrast ist dabei tatsächlich größer, als in meinen Bildern.
Eigentlich sollten Füße und Hände in einem Braunton sein, der sich vom Körper absetzt, aber da fehlten mir Farbe und Geduld. Warten bis zum nächsten Tag und dann erst passende Wolle kaufen, war irgendwie keine Option. Lieber sofort anfangen. Und genau das habe ich gemacht.
Mit 8-fädiger Sockenwolle, weil ich kein anderes Braun hatte. Das ist einerseits gut, weil die robust ist und nicht pillt. Andererseits ist es nicht so schmusig geworden, wie ich es gerne gehabt hätte. Aber der Bauch ist rund und weich – das versöhnt mich. Cappybaras sind Schmuser. Wußte ich auch nicht.
An einem Abend war mein Capybara fertig. Am nächsten Abend dann sein Blumen-Kragen. Wobei mir der tatsächlich weniger Spaß gemacht hat. Muß man doch Blatt für Blatt einzeln stricken, ehe alle Blätter dann zusammengehäkelt werden. Jedes hat zwei Fädchen, die vernäht werden wollen … Ziemlich kleinteilig alles und doch denke ich, dass sich die Mühe gelohnt hat. Der Kragen steht ihm einfach gut.
Ist halt ein hübscher Kerl.
Ein paar Tage saß das Capybara dann hier auf dem Sofa (auf dessen Lehne immer noch Goostavo chillt), ehe es zu den Nachbarn gezogen ist.
Nach dem traditionellen Glauben der Yanomami (der größten indigenen Volksgruppe im Amazonas-Gebiet – auch das weiß ich aus Wikipedia) gibt es nämlich für jeden neugeborenen Menschen einen Doppelgänger in Form eines Capybaras, der dessen Lebenskraft teilt.
Die Nachbarn werden Großeltern – da passt das doch ganz wunderbar.
verlinkt zum Samstagsplausch (passt thematisch auf’s Schönste 💚)






